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Fliegenfischen an der Roth!

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Geht nicht? - Gibt's nicht! Natürlich kann man auch bei uns an der Roth in Weissenhorn Fliegenfischen. Ich wage sogar, so weit zu gehen und sage, dass man bei uns fast alles mit der Fliege fangen kann, das auch mit Wurm beangelt wird.

Fast alles - das heisst: Karpfen, Barben, Aitel, Äschen und Forellen sowieso - aber genauso Rotaugen und Lauben auf ganz kleine Nymphen. Man muss sich allerdings nur trauen. Wer schon mal einen 60cm langen Schuppenkarpfen an der Roth auf Goldkopfnymphe gedrillt hat, der weiss, was möglich ist.

In der Art der Bisse liegt ein grosser Vorteil des Fliegenfischens an der Roth. Wir haben in unserem Gewässer sehr viele junge Forellen, die noch nicht das Schonmass überschritten haben. Nachdem unser Gewässer nicht ein reines Ghetto fangreifer Bachforellen sein soll, ist es für mich auch wichtig, einen schonenden Umgang mit jungen Salmoniden zu praktizieren und diesen eine Überlebenschance zu geben. Beim Fliegenfischen oder Spinnfischen mit angedrücktem Widerhaken habe ich an der Roth ein reines Gewissen, das mir keiner nehmen kann. Erfolgen doch beim Fliegen- und Spinnfischen die Bisse überwiegend in der vorderen Maulpartie. Die Fische sind dadurch bei widerhakenlosen Fliegenmustern ohne grosses Anfassen wieder schonend zu lösen.

Ich halte es für sehr schade und bedenklich, dass ich im Augenblick bei 80 Mitgliedern der einzige dauerhaft agierende Fliegenfischer in unserem Gewässerabschnitt der Roth bin. Warum eigentlich? Tja, normalerweise sollte ich mich darüber freuen, dass ich in der  Saison 2004 6 massige Äschen gefangen habe. Nebenbei bemerkt: Die schmecken  besser als Forellen, wenn man sie richtig zubereitet. Soweit ich weiss, haben bisher nur drei andere Kollegen Zufallsfänge auf Teig und Spinner gelandet. So zufrieden bin ich aber nicht. Ich begegne in unserem Verein immer wieder dem Argument, wir sollten bei uns an der Roth doch gar keine Äschen mehr einsetzen, da die eh keiner fängt und Äschen und Forellen vertragen sich sowieso nicht! Blanker Unsinn! Ich empfehle den Personen, die derartiges kommunizieren, nochmals ihre Unterlagen zur Fischerprüfung hervorzukramen und sich mal die Bilder mit den Fischen zur Äschen- und Forellenregion genau anzusehen.

Eine Vor-Ort-Begehung der Blau in Arnegg oder der Illerschleife bei Wiblingen würde hier aber manchem Kollegen auch schon ein anderes Bild vermitteln. Da stehen Forellen und Äschen in friedlicher Eintracht und ohne Verbiss-Verletzungen nebeneinander, wie übrigens auch bei uns an der Roth. Wie sonst erklärt es sich, dass die an der Roth gefangenen Äschen alle um 40 cm stark sind? Die stehen doch sicher nicht seit gestern da, oder?

Ich befürchte, dass trotz Artenschutzprogramm Äsche und hervorragender Überlebensbedingungen (- Die Roth ist m.E. aufgrund ihrer überwiegend geringen bis mittleren Tiefe in den kiesigen Gumpen hervorragend vor Kormoraneinfall geschützt und für Äschenbesatz geeignet-) bei uns langfristig andere Salmoniden als die Bach- und Regenbogenforelle keine Chance mehr bekommen werden. Daher bitte ich alle meine Kollegen, ihre zu Hause versteckten Fliegenruten auszupacken und sich mal den Spass zu machen, an der Roth den Rollwurf oder Schleuderwurf zu üben. Die Roth ist sicherlich nicht für raumgreifende Überkopfwürfe mit der Fliegenrute geeignet. Dafür sind unsere Fische allerdings auf relativ kurze Distanz zu fangen - fünf Meter Schnur sind da schon lang. Und auf der Distanz nutze ich meistens nur den Rollwurf. Wenn sich die ersten Erfolgserlebnisse einstellen - und seien es auch am Anfang nur Aitel -, dann findet man sehr schnell Gefallen daran und bald schon ist die erste Forelle überlistet. Wer weiss, vielleicht findet jemand Gefallen daran?

Die fängigsten Muster an der Roth sind nach meinen Erfahrungen Goldkopfnymphenmuster, Caddis Larva (Köcherfliegenlarven) und selbstverständlich Bachflohkrebse. Diese Nymphen fangen immer! Auch wir haben gelegentlich einen Abendsprung und somit Beisszeiten auf Trockenfliegenmuster. Bei uns gehen dann hervorragend dunklere Standard-Eintagsfliegenmuster wie z. B. Olive Dun, Adams oder die meisten Sedges (erwachsene Köcherfliegen) mit rotbraunen Tönen, z. B. die Cinnamon Sedge.

Klar! Wer sich nicht die Mühe macht, seine Fliegenangel auszupacken, kann sich Bilder von Äschen in den Büchern anschauen. Auch Saiblinge lassen sich übrigens hervorragend auf Fliege fangen. An der Roth habe ich bereits mal vor längerer Zeit einen Bachsaibling mit 30 cm auf Bachflohkrebs gefangen - kurz bevor er dem plötzlichen Tauwurm-Syndrom zum Opfer gefallen wäre.

Fliegenfischen ist zudem auch hervorragend für unsere Jugendlichen geeignet. So können sie sich am Fliessgewässer freier bewegen als beim Fischen mit Naturködern und es wird ihnen sicherlich nicht langweilig. Mehr über die natürlichen Futterquellen ihrer Zielfische lernen sie dabei ebenfalls - Teig, Leberkäs und Tauwurm sind nun mal nicht die natürliche Nahrungsquelle von Salmoniden.

Ich finde es sehr schön, Geheimnisse zu haben. Noch schöner finde ich es aber, Geheimnisse zu teilen. Dazu bin ich jederzeit bereit und ich zeige auch jedem Roth-Fischer vorurteilslos, wie man sogar mit der Wasserkugel und der Fliege fängt ohne Fliegenangel - und das erfolgreicher als mit Wurm! Ach, noch was: Ich fische mittlerweile seit mindestens elf Jahren mit der Fliege und verliere trotzdem pro Angeltag durchschnittlich 3 Fliegen. Die hängen dann meist in Sträuchern oder am Gewässergrund. Das gehört zum Fliegenfischen an einem Bach eben auch dazu. Kein Spass ohne Risiko!

Die gängigste Ausrede, die ich immer wieder höre, lautet: "Ich hab zwar eine Fliegenrute, aber wenn Du das nicht übst, fängst Du ja eh nix." Ich sage mir: Ohne Fleiss kein Preis! Aller Anfang ist schwer und ... Übung macht den Meister! Es spricht nichts dagegen, sich auch als Angler weiterzuentwickeln anstatt immer nur auf dem selben Wissensstand stehen zu bleiben.

Ich hoffe, Ihr denkt mal über das Fliegenfischen als schonende Ergänzung zu eurem Angelrepertoire nach. Ich stehe jedem Interessierten aber auch jedem Kritiker zur Verfügung.

Tight lines!
Bernd Maier

 

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